"KUNST - GESCHENK"     CALDERARA - LEWERENTZ 

20.06.  bis 30.07 2016

„Kunst ist das Geschenk eines Menschen an Menschen, und wenn auch nicht alle verstehend folgen, es bedeutet nichts; wichtig hingegen ist, dass wenigstens einer versteht und sei es jener, der gibt. Das ist keine überhebliche Position, es geht vielmehr um Demut. Denn wer gibt, ist der, der sich ein ganzes Leben bemüht hat, dem Gedanken eine sinnliche Gestalt zu verleihen.“ (Antonio Calderara)

"nello spazio quadratro" 3,4,5

Dieses Zitat des italienischen Malers Antonio Calderara (1903 – 1978) hat mich bewogen meine neue Schnitzarbeit zusammen  mit drei Grafiken Calderaras aus der  Serie „nello spazio quadrato“ (1975) der Öffentlichkeit vorzustellen. Damit möchte ich dem Gedanken, Kunst als Geschenk zu betrachten, folgen.

                              

"MEINE MADONNA" - Birkenholz, geschnitzt und pigmentiert, 2016

Über einen Zeitraum von vier Jahren ist diese Skulptur aus einer Egerndacher Birke entstanden. Nun steht „MEINE MADONNA“ im kleinen Atelierfenster, vielleicht noch etwas unsicher, gleichzeitig aber auch selbstbewusst, geheimnisumwoben, erhaben, widersprüchlich und weltweit einzigartig vor uns. Gleich den Bildern Calderaras ist das Schnitzwerk ohne Auftrag, ohne jeglichen äußeren Anreiz, ohne Zweckbestimmung und ohne Aussicht auf finanziellen Ertrag entstanden. Allein ein innerer Antrieb, geboren und begleitet von Fragen, Rätseln, Leidenschaften, Verzicht und Selbstkritik im und am Leben weckt die Kräfte, über Wochen und Monate solch einer zwecklosen Arbeit nachzugehen. Unabhängig von jetzigen oder zukünftigen Besitzverhältnissen ist dieses neue Werk der Bildenden Kunst ein Geschenk für jeden Betrachter - in seiner Einzigartigkeit unersetzbar.

                                        

Die Holzskulptur „MEINE MADONNA“ wird vielleicht Gedanken bewegen, Fragen aufwerfen, Geheimnisse bergen, Augen öffnen, Wertschätzung finden oder Ärgernis hervorrufen. Mit all diesen Möglichkeiten darf sie hier im Atelierfenster ihr Eigenleben beginnen, noch begleitet und bewacht von den Bronzen „KÖNIGLICH“ und den Gedanken Antonio Calderaras.



Mein Dank gilt allen, die immer wieder gerne am Atelierfenster verweilen, ihren Besuch dokumentieren, dieses Geschenk KUNST annehmen und seine Entstehung ermöglichen. CL


 "KUNST - privat"

Vom 15.03 bis zum 30.05 2016 zeigt das Atelierfenster eine Auswahl von Sammlerstücken. Zu sehen sind Plastiken von Lothar Fischer, Marianne Lüdicke, Gernot Rumpf und Carsten Lewerentz, sowie Graphiken und Malerei von Sigi Braun, Walter Lederer, Wilhelm Neufeld, Romy Rakoczy und Toni Stadler. Sie laden ein zum Schauen, Empfinden, Fragen, Freuen, Erinnern, Zweifeln, Hoffen, Erkennen, … für alle, die Freiheit und Eigensinn der Kunst im Leben schätzen.

Die Werke dieser Ausstellung werden nicht erläutert und hier veröffentlicht.
Sie können nur vor Ort im Original betrachtet werden.


Srb-Schlossbauer  - “Zwei Plastiken erzählen Geschichte“  

  Ausstellung zum 125. Geburtstag des Bildhauers Srb-Schlossbauer (1890 – 1972), Sommer 2015



"Leopard - Kampf mit Schlange" - Meissner Porzellan

Im Jahr 1913 modellierte der Karlsbader Bildhauer Prof. Wilhelm Srb-Schlossbauer den Leoparden für die Porzellanmanufaktur Meissen, vermutlich das Resultat eines gewonnenen Wettbewerbs. Diese und weitere ausdrucksstarke Kleinplastiken waren für den jungen Bildhauer der Beginn einer erfolgreichen Karriere. Er bekam Aufträge für Portraitbüsten und monumentale Architekturplastiken zum Beispiel in Karlsbad, Falkenau und Prag. Mit 53 Jahren wurde er als Professor für figurales Zeichnen und Modellieren an die Hochschule in Prag berufen.



Die Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg und dem damit einhergehenden Tod seines zweiten Kindes machte aus dem erfolgreichen Bildhauer einen gebrochenen Mann. Er lebte mit seiner Familie sieben Jahre in Armut und Mutlosigkeit  auf einem Bauernhof in Asten bei Tittmoning, bevor er dann in Geretsried ein neues Zuhause und neuen Lebensmut und Schaffenskraft fand. Von diesem Erleben erzählt in anschaulicher Weise seine humoreske Terrakottaplastik. Ein mit Lumpen bekleideter Vagabund, seiner Heimat mit allen Besitztümern beraubt, sucht die Heiterkeit der Wanderschaft mit Gesang, sich selbst auf dem Stock als Gitarre begleitend  - welch Galgenhumor!? 

                     

                                        Detail                                                            "STROLCH" - Terrakotta, um 1950

Eine der letzten Kleinplastiken von Srb-Schlossbauer stellt den „Hl. Georg“ dar. Ein weinendes Kind, auf dem Schaukelpferd sitzend, kämpft mit einem Besen gegen einen Dackel. In was für kindliche Ironie hat sich doch die Kampfszene der Kreaturen aus Porzellan des jungen Bildhauers im Alter nach all seiner Lebenserfahrungen gewandelt. Leider ist diese Terrakottaplastik nur als Foto verfügbar. Auch  weitere Arbeiten und Dokumente aus dem Leben dieses vergessenen Bildhauers des 20. Jahrhunderts können nur in Zeitungsartikeln und Katalogen gezeigt werden.


"Hl. GEORG" - Terrakotta, um 1965

Einladung zum 70. Geburtstag:

WS Firmengründung 7.7.1890
Aus verschiedenen Gründen verspätet, feiere ich im Kreise von Freunden aus alter und neuer Heimat am Samstag den 15. Oktober 1960 meinen 70. Geburtstag. Das Programm ist schlicht: Um 16.00 Uhr gemeinsame Besichtigung der von mir hier aufgestellten Brunnen mit anschließend vermutlich ablehnender Kritik und der damit verbundenen leichten Depression im Kaffee Dagmar. 20.00 Uhr Festessen in der Gaststätte Korb mit zunehmend sich aufheiternder Stimmung bis hin zum vollendeten Hoch. Es würde mich freuen Sie/Dich aus diesem Anlass in der Runde begrüßen zu dürfen. Es spricht: "ich" und wer sonst mag. Freundliche Zusage oder unfreundliche Absage dringend erbeten bis Ende September. Freundl. Srb-Schlossbauer u. Frau

                 

 
Einladung an den Gemeinderat:

Freitag, den 23.11.62, 8.00 Uhr abends wünschte ich Sie in meiner Werkstätte begrüßen zu dürfen. Geboten wird Ihnen - gemessen an "Ihren" unverschämten Ansprüchen - fast nichts! Es sei denn, dass Ihnen mein sonniges Gemüt, mein goldiger Humor, meine boshaften Ausfälle (Einfälle habe ich keine) genügen könnten, was, möglicherweise, bei vorgerückter Stunde, in leichtes Schlummern hinüberwechseln dürfte. Jugendliche haben, außer Ihnen, keinen Zutritt.
WS

Zugang Rübezahlstrasse

zwei Einladungskarten, die Srb Schlossbauers Humor erkennen lassen.

1963 im Atelier

Im Atelier Srb-Schlossbauers in einem ehemaligen Bunker in Geretsried bin ich als Kind erstmals der Bildhauerei begegnet. Unheimlich und faszinierend zugleich empfand ich diese Welt mit in nassen Tüchern gewickelten Figuren. Auf Böcken stehend und umgeben von allerlei seltsamen Utensilien wurden sie den Erwachsenen gezeigt, gemustert und besprochen. Aus dieser Erinnerung an meinen Großonkel Willi ist diese kleine Ausstellung zu seinem 125. Geburtstag entstanden.


 Kriege, Flucht, Vertreibung und Asylsuche -  immer wieder aktuell

             c.lewerentz, Sommer 2015

Arbeit am Brunnen der Vertriebenen für Dachau Ost

weitere Informationen


„BEACH-CLUB – Hüllen als Kulturträger“

Ausstellung zur Sommerzeit 2014



"AM STRAND"

Die heißen Sommertage locken viele Menschen zur Abkühlung ans Wasser und so ist auch mein Erleben der Feldwieser Strandkultur mit Beach Bar und Sundowning in diese ebenfalls überfüllte Ausstellung geflossen.

Ältere Textil- und Bronzeplastiken aus meiner Werkstatt, ergänzt mit Arbeiten von Sigi Braun, Lothar Fischer und weiteren Künstlern lassen den Betrachter eintauchen in Erinnerungen, Gefühle und Sehnsüchte von Strand und sommerlichen Sonnenuntergängen. Im Spannungsfeld zwischen dem Plakat „Kultur kann man nicht kaufen“ von Tim Roeloffs (2011) und dem historischen „BILD – Aufsteller“ aus dem ehemaligen Kiosk versammelt sich das in Bildwerken festgehaltene Strandleben. Gelebte Kulturen und Traditionen entstehen und entwickeln sich über Jahrhunderte hinweg, oder heutzutage scheinbar spontan per SMS Botschaften. Dabei etablieren sich oft auch bestimmte Kleidungsgewohnheiten und Normen in  einzelnen Gruppen, die menschliche Hüllen zu „Kulturträgern“ werden lassen. Somit reiht sich mit dieser Ausstellung das Atelierfenster ein in die mit Festen, Festivals und Festspielen überfüllte Sommerzeit, in der die Vielfalt und Pracht der „Kulturträger“ allerorten gelebt und bewundert werden.

                                             

  "BEACH-CLUB" - Textilplastik                                                                   "Kultur kann man nicht kaufen"


                                 

Lothar Fischer, "KLEINE KNIEENDE" 1978



Sigi Braun, "BADENDE"


Ausstellung zur Advents- und Weihnachtszeit 2013 

"SCHALE"



Obst- oder Brotschale aus Zirbelkiefer, geölt,  Ø 32 cm x 9 cm

Immer wieder setzen sich Handwerker und Bildende Künstler auch mit der Gestaltung von Schalen und Gefäßen auseinander. Dieses ursprüngliche Bedürfnis die eigenen Hände zu vergrößern, um Speisen oder wertvolle Dinge aufzunehmen, zu sammeln und zu bewahren steckt seit Anbeginn im Menschsein. So habe auch ich mich entschlossen in dieser Adventszeit hölzerne Schalen zu drechseln, um der Form der Schale nachzuspüren. Somit schließt sich der Gedankenkreis zu meiner ersten Ausstellung "LEER" in diesem Jahr -  die leere Schale, als Ausdruck von Erwartung und Offenheit. Auch meine neue Textilbetonplastik "ENTHÜLLUNG" kann als menschliches Äquivalent zur Schale gesehen werden und engel- oder madonnenhafte Assoziationen hervorrufen.


                   

                  Schale aus Zwetschgenholz, geölt, Ø 15 cm                                                   Schale aus Eibenholz, geölt, Ø  11 cm x 6 cm


   Schale aus Birkenholz, geölt, Ø 22 cm x 10 cm


Neben meinen jetzt entstehenden gedrechselten Schalen aus lange gelagerten Edelhölzern zeigt die Ausstellung auch einige Beispiele anderer Künstler, die sich wie Irmgard Kurz-Minisini, Görge Hohlt, oder Florian Lechner sehr intensiv mit Schalen beschäftigt haben. Geschnitzte afrikanische und europäische Schalen der Volkskunst bis zur Designerschale von Carl Mertens rufen dazu die Vielfalt von Herstellung und Gebrauch von Schalen in Erinn 

          

Geschnitzte Schale aus Nussbaum, Volkskunst unbekannter Herkunft                                                    Balance, Teeschalen von Carl Mertens

So möchte diese Ausstellung  Wertschätzung und einen neuen Blick auf das Archaische von  Schalen aller Art in unseren Haushalten zum Gebrauch oder als wertvolles Sammlerstück zur eigenen Freude fördern. Jede leere Schale mag frohe Erwartungen auf das gefüllt werden mit Glück, Geschenken, Gesundheit und vielem mehr für die Weihnachtszeit und das kommende neue Jahr im Betrachter wecken. 

      

Schale aus Steinzeug von Görge Hohlt 

            


Gipsschale                                                                                                                                           Teelichtständer aus Zirbelkiefer, geölt, Ø ca. 7 cm





Ausstellung Sommer 2013  

Carsten Lewerentz   -  "GEDANKEN - STRICH“


                                  

Diese Ausstellung mit neuen Plastiken von mir im Atelierfenster war einfach da  -  ohne Ankündigung, ohne Werbung, ohne Wahrnehmung in den Medien. Einige Besucher haben sie zufällig gesehen und ihre Freude an dem Gesehenen im Gästebuch festgehalten. Eine stille Ausstellung am Rand des Weges, welche wieder einmal die Frage nach der Nützlichkeit von Kunst in den Raum stellt, die nicht beworben, großgeredet, oder als Schmuck und Werbeträger für Kommune, Kirche, oder Wirtschaft benutzt wird.

Angeregt von einer Schriftstellerin "gegen das Vergessen zu schreiben", möchte ich nachträglich ein paar Worte und Fotos zu dieser Präsentation hier aufbewahren.

Die Titel der Ausstellungsstücke sind Worte, die ein Gedankenstrich verbindet, beziehungsweise teilt. Die Gedanken auf diesem Strich zwischen den Worten wandern zu lassen kann vielleicht eine Verbindung zur Sprache der Plastik schaffen. Auch wenn die gezeigten Figuren meist aus sehr persönlichem Hintergrund hervortreten, können sie sich auf dem Gedankenweg im Titel dem Betrachter nähern. Plastiken können sogar selbst zu diesem anregenden Pfad eines Gedankenstriches werden. In all diesen Titeln wie "SELBST-VERGESSEN", "SELBST-LOS", "CONTRA-PUNKT", "ÜBER-FLUSS", oder "GEDANKEN-STRICH" wandert unterschwellig auch die anfangs bemerkte Frage nach Nützlichkeit von Kunst in ihrer freien Form hin und her. Unzählige Bücher und Abhandlungen sind gefüllt mit Antworten, Analysen, historischer Wertschätzung, ..., doch wer mit Plastiken als Quelle für Gedanken und Empfindungen lebt, hat seine Antwort bereits gefunden.

                                                              

"SELBST-VERGESSEN" - Bronze                                                                   "CONTRA-PUNKT" - Bronze

                                     

"ÜBER-FLUSS" - Textilbeton                                                                   "SELBST-LOS" - Detail - Bronze






Ausstellung 13.02.2013 bis 31.03. 2013  

Carsten Lewerentz     -      “L E E R“


Einige neue Bronzegüsse und der Rücktritt von Papst Benedikt dem XVI. gaben mir Anlass das Atelierfenster zur Fastenzeit mit eigenen Arbeiten zum Thema „LEER“ auszufüllen.


                                       
"LEERSTÜCK II" - Bronzeunikat - 2013

Beinhaltet der Begriff „Leersein“ in Gedanken nicht immer auch das „Gefülltsein“ ? Jedes leere Gefäß birgt die Möglichkeit gefüllt zu werden, und somit ist „leer“  auf Zukunft ausgerichtet. Eine Reihe von Gegensatzpaaren lösen Bewegung und Vorwärtsstreben aus wie 

Stille                    Klang

Nähe                   Ferne

Abneigung   Zuneigung

Passivität         Aktivität

Leben                     Tod


                                               


"ETUI-ETÜDE VIII" - Bronzeunikat                                   "ETUI-ETÜDE IX" - Bronzeunikat


Im Sinnen über all diese Gegensatzpaare ist das Pulsieren des Lebens und der Welt zu spüren wie beim Ein- und Ausatmen. In meinen Plastiken versuche ich in der Darstellung von Leere für den Betrachter Gedanken und Möglichkeiten von Lebensfülle freizusetzen. Das Pulsieren zwischen Wenig und Viel in jedem Bereich des Lebens schafft diese Bewegung von Geburt  bis zum Tod und darüber hinaus. Aushalten und Suchen von Leere kann, auch wenn sie als Stillstand erfahren wird, neue Bewegung ins Leben und in die Welt bringen.

  "CLEAN I" - Bronzeunikat - 2013

Ornamentale Symbole wie Sechsstern und Wirbelrosette zeugen seit Jahrhunderten von der Bewegung des Lebens im menschlichen Bewusstsein. In ihrer Universalität haben sie Gültigkeit außerhalb von Mode, Stil und Kunstauffassung. So wirken die leere geschnitzte Truhe und das Begräbniskreuz vielleicht als Fremdkörper in dieser Ausstellung, doch sie führen zusammen mit dem gezeigten „HL. STUHL“ die universelle Weite des Themas vor Augen.

                                  

"HL. STUHL" - Bronzeunikat                                                              "BEGRÄBNISKREUZ" - Eiche




Blick ins Atelierfenster




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