AUSSTELLUNG  Januar 2000

Erno Wiedenmann   -   "HOLZOBJEKTE"


Erno Wiedenmann, 1926 in Traunstein geboren, ist mit seinem Wohnsitz auf dem Westerbuchberg ein Chiemgauer Künstler, dessen Werke eher in den USA, Kanada oder Europe zu finden sind, als im Chiemgau. In Fachkreisen ist Wiedenmann unter dem Namen „CHIEMTON“ schon lange über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt als Erneuerer des Ofenbaus in Form von „Raumplastiken“ und ganzen „Wohnlandschaften“.

Neben diesen großen architekturbezogenen „Ofenplastiken“ entstand auch ein umfangreiches Werk an Kleinplastiken, Bildern, Holz- und Steinskulpturen in seinem Atelier, welche bei Sammlern und Liebhabern sehr begehrt sind. Wiedenmann fühlt sich der Natur verpflichtet – er möchte „mit der Natur mit-arbeiten, ohne sie zu vergewaltigen“. So entstehen unter seinen Händen organische Formen, ohne Aggressivität, wohltuend zum Bestaunen und im wahrsten Sinne zu Begreifen. Mit Erno Wiedenmann stellt das „Atelierfenster“ wieder einen bedeutenden Künstler der Region vor, der fernab des „Kunstbetriebs“ in sich ruhend seiner Lebensfreude Ausdruck verleiht.

Erno Wiedenmann:
Traunstein 1926 - 2009 Traunstein
Der Bildhauer Erno Wiedenmann besuchte 1939-43 die Meisterschule für Keramik in Landshut und legte bereits 17jährig seine Meisterprüfung ab. 1943-49 war er Schüler im Fachgebiet Tonbildhauerei bei Frans Eska, Kläre von Ruckdäschel und später schloss sich ein Malereistudium bei Erwin Shoultz-Carnoff u.a. an. Er war 1953-63 Mitglied der Künstlergruppe 'Roter Reiter'. Er schuf vornehmlich Objekte aus Ton, Holz und Stein, die auf zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt wurden. Der Künstler äußerte sich über seine Arbeit folgendermaßen: "Dem natürlichen Wachstum folgen - hervornehmen dessen, was kraftvoll und gesund ist, wegnehmen, öffnen, dort wo die Natur (Wind, Wetter und Zeit) schon damit begonnen hat, Schwachstellen eleminieren - Durchblicke, Öffnungen, sprich Kraft erzeugen.


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AUSSTELLUNG  Fasching 2000

"MASKEN" - aus der Berufsfachschule für Holzbildhauerei


Der Entwurf und das Schnitzen von Masken ist ein beliebtes Thema für das erste Lehrjahr einer Bildhauerklasse. Bei aller Freiheit der Gestaltung machen Schüler erste Erfahrungen mit plastischen Formen und Proportionen und üben dabei ihr handwerkliches Geschick beider Umsetzung in Holz.

In der Berufsfachschule für Holzbildhauerei und Schreinerei Berchtesgaden haben viele Handwerker und Künstler unserer Region ihren Weg begonnen. Auch wenn nicht alle Fachschulabsolventen im erlernten Beruf bleiben, bietet die Ausbildung zum Holzbildhauergesellen eine gute Grundlage für gestalterische, erzieherische oder therapeutische Berufe.

Die Schüler der hier gezeigten Klasse des Fachlehrers Hannes Stellner kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter einige auch aus dem Chiemgau. Voll jugendlicher Energie strotzen die überwiegend hervorragend gestalteten Masken, die das „Atelierfenster“ kaum zu fassen vermag.

      


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AUSSTELLUNG   Fastenzeit 2000

 Hannes Stellner - "OHR"


Nach dem Faschingstreiben der Masken hat sich das „Atelierfenster“ in eine Oase der Ruhe verwandelt. Der Bildhauer Hannes Stellner widmete sich in seiner künstlerischen Auseinandersetzung zuletzt dem Ohr. In einer Zeit, da unsere Ohren – diese feinen Trichter der Wahrnehmung –täglich bis zum Überlaufen mit Schall jeder Art überfüllt werden, führt uns Stellner die große Bedeutung dieses Sinnesorgans vor Augen. Dem Menschen ist es  nicht möglich die Ohren zu schließen wie die Augen, deshalb muss er  mit der Belastung aller hörbaren und unhörbaren Schallwellen leben. Der Künstler zeigt uns das Ohr als ein Tor in das Innere des Menschen. Erst das Hineinhorchen in die eigene Seele bringt uns ins Gleichgewicht zwischen außen und innen. Es ist wohl kein Zufall, dass der Gleichgewichtssinn des Menschen in den Ohren liegt.

Das etwa 18 fach vergrößerte liegende Ohr von Hannes Stellner in der Ausformung aus Beton vermittelt dem Betrachter die erdhafte Kraft von Ruhe und Gleichgewicht. Das selbe Ohr, hängend aus Alufolie geformt, wird zu einer spannenden abstrakten Form, die den Betrachter etwas von dem erhabenen Glück wirklichen Hörens ahnen lässt. Somit kann die Materialwahl des Künstlers für ein und dieselbe Arbeit bewusst ganz verschiedene Empfindungen hervorrufen.

Hannes Stellner aus Weisham bei Eggstätt ist ein Künstler, der selbst sehr gut zuhören kann, und der es versteht sich im Vielerlei der Möglichkeiten des modernen Lebens zu beschränken. Dieses „Fasten“ verleiht ihm die Kraft zu intensivem Studium einer Form, von der Zeichnung bis zur Vergrößerung und Vereinfachung, die ein eigenständiges Kunstwerk hervorbringt.

                        

Hannes Stellner, Bleistiftskizzen


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AUSSTELLUNG  23.04.  -28.05. 2000

Sigi Braun - "FARBSYMPHONIE"



Die großen Symphonien der Musikgeschichte hört man immer wieder und der Genuss dabei nimmt mit zunehmender Kenntnis eines Werkes nicht ab sonder er steigert sich. Eine Symphonische Dichtung vermittelt Gefühle und Gedanken mit den Klängen eines Orchesters. Solche Musik könnte man auch als abstrakt oder gegenstandslos bezeichnen, da kein Text die Empfindungen des Zuhörers beeinflusst. In diesem Sinn lassen sich die gegenstandslosen Bilder von Sigi Braun als „Farb–Symphonien“ bezeichnen. Die Vielschichtigkeit der Farbklänge und der damit verbundenen Gefühle sind nicht auf den ersten Blick zu erfassen. Solch eine „Farb-Symphonie“ von Sigi Braun kann mit den Augen erwandert werden wie eine unbekannte Landschaft und je öfter man ein Bild aktiv durchwandert, umso  wertvoller wird es dem Betrachter. In dem Film „Ufer des Lichts – Künstler im Chiemgau“ aus der Reihe Atelierbesuche des Bayerischen Fernsehens konnte man Sigi Braun über die Schulter schauen und erkennen, dass seine Arbeitsweise durchaus mit der eines Komponisten vergleichbar ist. In vielen Arbeitsgängen und immer wieder verändernden Übermalungen komponiert Braun ganz bewusst seine abstrakten Bilder. Ein großes dreiteiliges Werk mit der Nummer 1- 2000 entstand dieses Jahr für das neue Finanzamt Miesbach im Auftrag des Bayerischen Staates. Sigi Braun, 1928 in Pfaffenhofen geboren, studierte an der Münchner Akademie Malerei unter anderem bei Professor Erich Glette, der in Marquartstein wohnte, und arbeitet seit über zwanzig Jahren im Chiemgau als freischaffender Künstler. Die Tradition der Chiemseemaler setzt sich fort mit Malern wie Sigi Braun, der vom Chiemgau inspiriert mit malerischer Virtuosität eigenständige, zeitgemäße Kunstwerke hervorbringt, die ihre Zeit überdauern werden.


                


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AUSSTELLUNG  01.06. - 30.06.2000

Marianne Lüdicke  -  "REISEEINDRÜCKE"

Im Juni, dem Beginn der jährlich wiederkehrenden Reisewellen durch ganz Europa, zeigt das „Atelierfenster“ Reiseeindrücke von Marianne Lüdicke. Die feinsinnige Bildhauerin ist auf ihren zahlreichen Reisen nicht mit Kamera und Filmen unterwegs, um das Erleben ferner Länder und Menschen mitzunehmen. Stifte, Papier und genaue Beobachtungsgabe genügen ihr, um Eindrücke einer Reise zu sammeln. Marianne Lüdickes Skizzen und Erinnerungen verschmelzen dann in der Stille des Ateliers bei konzentrierter Arbeit zu unverwechselbaren Bronzeplastiken, die geprägt sind von der Menschenfreundlichkeit ihrer Schöpferin.


"Archaische Szene", Bronze


Da ist zum Beispiel eine alte Frau in der Türkei, die den ganzen Tag über eine einzige Ziege hütet – wahrhaft eine „Archaische Szene“. Auch die „Alten Hirten“, die Lüdicke in der Provence beieinander sitzen sah, verkörpern fremdländische, liebenswerte Menschen, und beeindruckt von einer betenden, christlichen Araberin in der von Touristen überfüllten Grabeskirche in Jerusalem ist die Bronzefigur „Gesammelt“ entstanden. Im „Zeitungsleser“, der in jedem Land zu Hause sein könnte, sieht man, dass große Kunst auch ganz klein sein darf. Dem Reiz dieses friedliebenden Weltbürgers wird wohl keiner wiederstehen können. Hier ist die Typisierung eines Menschen so treffend gestaltet, dass seine Individualität dennoch erhalten bleibt.

            

"Zeintungsleser"                                                                                                                                     aus dem Gästebuch


          

Marianne Lüdicke                                                                                                                                        und ihr Garten


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AUSSTELLUNG  07.07.  - 15.08 2000

Walter Lederer  -  "ZEITSPRUNG"

Mit der Schließung der Kreissparkassenfiliale hat Staudach-Egerndach zwei zeitgenössische Kunstwerke des weithin bekannten Malers Walter Lederer aus Übersee verloren. Ein „STILLEBEN“ und ein „BLUMENSTRAUß“, gemalt in den 60 er Jahren, hatten den Kassenraum geprägt, und traten 20 Jahre lang bewusst oder unbewusst mit ihrer stillen Ausstrahlung den Bankkunden gegenüber. Daran erinnert die Ausstellung im „Atelierfenster“, dessen Initiator den Verlust der Lederer-Bilder in Staudach sehr bedauert. Gezeigt wird ebenfalls ein „STILLEBEN“ von 1963, es ist das einzige verfügbare Bild dieser Zeit aus dem Privatbesitz des Malers. Einen „Zeitsprung“ von 30 Jahren macht die Gegenüberstellung zweier Werke aus den 90 er Jahren deutlich. Sowohl in Lederers Plastik „KOMPOSITION“ als auch in dem Bild „SURREALE LANDSCHAFT“ hat sich das zaghaft aufkeimende Licht des mystisch schweren Stillebens 30 Jahre später in einen alles überstrahlenden Lichtschein gewandelt. Zwischen diesen Bildern liegt ein langer Lebensabschnitt des Malers Walter Lederer, der durch alle Höhen und Tiefen geduldig und mit ausdauernder Konsequenz seiner Malerei gefolgt ist. Nur mit bedingungsloser Hingabe kann ein so bedeutendes Lebenswerk entstehen, welches in Sammlerkreisen hohes Ansehen genießt.


         

"Stilleben", 1963                                                                                                                "Surreale Landschaft", etwa 1995

Es wäre begrüßenswert, wenn auch die öffentliche Hand kleiner Gemeinden durch Ankäufe einzelner Werke etwas von dem unwiederbringlichen Kulturschatz einheimischer Künstler für ihre Bürger bewahren würde. Denn oft lässt sich der Wert eines Kunstwerkes erst ermessen, wenn der Zugang dazu unmöglich geworden ist, wie es die Schließung der Sparkassenfiliale zeigt.



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AUSSTELLUNG  03.09. - 15.10 2000

Carsten Lewerentz -  "BILDHAUER 1980 - 2000

Für diese Ausstellung hat Lewerentz fast alle verfügbaren Arbeiten seiner eigenen Tätigkeit als freiberuflicher Bildhauer seit 1980 in dem kleinen Haus an der Bahnhofstrasse versammelt.

        

Dem Außenstehenden zeigt sich ein bunte Sammelsurium verschiedenster Arbeiten aus Holz, Ton, Bronze, Stein und Stahl einschließlich einiger Zeichnungen und Fotos eng aneinander stehend. Das Spektrum reicht vom Hausaltar über Aktfiguren, Portraits, Entwürfen und Kleinplastiken bis zur perfekt geschnitzten Jeans. Vor kurzem war diese Arbeit mit dem Titel „IDOL“ in der „Großen Wasserburger Kunstausstellung“ zu sehen.

Dieses Vielerlei anzuschauen ist eine Zumutung für den Kunstfreund im Gegensatz zu den vorhergehenden klar gestalteten Präsentationen im „Atelierfenster“. Es fällt schwer, hinter all dem Gezeigten ein und denselben Künstler zu vermuten. Für Lewerentz ist diese Zusammenstellung ein Innehalten nach zwanzig Jahren. Der Blick auf seine Wege, Umwege und Fundstücke in der Bildhauerei weist ihm die Richtung für Kommendes.


Es handelt sich hier also weniger um eine Ausstellung, als vielmehr um ein Abstellen oder Wegstellen vergangener Arbeiten – vielleicht um einen neuen Aufbruch zu finden?


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AUSSTELLUNG  20.10.  -  30.11. 2000

Gertruda Gruber Goepfertove - "HAUS ALS INSPIRATION"


Diesmal nimmt das „Atelierfenster“ mit der Präsentation der Künstlerpersönlichkeit Gertruda Gruber Goepfertova wieder Bezug auf die Jahreszeit. Im Spätherbst weiß in unseren Breiten jeder die schützende Hülle des Hauses oder der Wohnung neu zu schätzen. Gerade von Häusern ließ sich die Künstlerin immer wieder für ihr zeichnerisches, malerisches und literarisches Schaffen inspirieren.

Seit 1978 hat Gertruda Gruber mit unermüdlicher Entdeckerlust meist zu Fuß die Gegend ihrer neuen Heimat als eine Einheit von Landschaft, Dörfern und den Menschen erfahren. Jedes einzelne Haus vereint Elemente der Umgebung und der Menschen in sich und wird so zum festen Bestandteil der Kulturlandschaft.

Durch große Disziplin und Ausdauer ist Gertruda Gruber mit ihren „Dorfskizzenblättern“ ein unwiederbringliches kulturelles Zeitdokument von Inntal und Chiemgau geglückt, welches noch auf seine Würdigung zum Beispiel durch einen oberbayerischen Kulturpreis wartet. Die Ausstellung in Staudach zeigt neben einigen „Dorfskizzen“ vor allem die malerische Seite der Künstlerin mit vier Ölbildern. Flüchtige, oft in sekundenschnelle gezeichnete Skizzen werden bei intensiver Arbeit im stillen Atelier zu konzentriert vereinfachten Bildern geformt, die keine Beliebigkeit dulden. Es entstehen Urbilder der Kulturlandschaft. Das in diesem Jahr entstandene „Gartentor“ ist so ein zeichenhaftes Urbild des immer wiederkehrenden Wandels der Jahreszeiten und des Drinnen- und Draußenseins der Menschen. Die Steigerung von der Skizze zu einem Ölgemälde, das den Hauch des Ewigen ausstrahlt, zeigt die Ausstellung in dem Bild „Herbstlandschaft mit Haus“.

       



Es wäre schön, wenn ausgehend von ihrer Präsentation im „Atelierfenster“ Frau Grubers Interesse an den teils versteckten Schönheiten von Staudach-Egerndach für eines ihrer nächsten „Dorfskizzenblätter“ geweckt würde, und die Gastfreundschaft der Staudacher ihren Spürsinn auf Bedeutendes im Ort unterstützen könnte.

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AUSSTELLUNG  03.12.  - 31. 12.2000

Karl-Heinz Hauser  -  "HOMMAGE AN EINE BLUME"




Aus der Verbindung von der Schönheit einer einzigen Amaryllis und der Leidenschaft der Malerei ist bei Karl-Heinz Hauser ein Zyklus mit an die hundert Druckgrafiken und Bildern von enormer künstlerischer Kraft entstanden. Ausgehend von Zeichnungen der Amaryllis gelangt Hauser über Linol- und Holzschnitte, deren Druckstöcke er raffiniert zersägt, variiert und als „Puzzle-Teile“ im Bild verwendet zu vielfältigen Bildserien, in denen Farb- und Konturrhythmik dominieren. Durch diese neuen Arbeitsweisen des Künstlers beginnt sich die Grenze zwischen Druckgrafik und Malerei aufzuheben. Die im „Atelierfenster“ ausgestellten Arbeiten lassen den bildnerischen Reichtum des „Amaryllis-Zyklus“ von Karl-Heinz Hauser nur erahnen. Dennoch geben sie den Kunstliebhabern im Chiemgau Einblick in das bereits umfangreiche Werk eines ernsthaften Künstlers. 


      


Karl-Heinz Hauser wurde 1063 in Erbendorf in der Oberpfalz geboren, er studierte von 1986 . 1993 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München und absolvierte von 1995 . 1997 sein Referendariat für Kunsterziehung. Es folgten ein Studienaufenthalt in Cincinnatti (USA) und zahlreiche Wettbewerbs- und Ausstellungsbeteiligungen sowie Einzelausstellungen. Seit einem Jahr lebt der Maler und Kunsterzieher Karl-Heinz Hauser in Marquartstein und es bleibt zu hoffen, seine Bilderzyklen „Amaryllis“ oder „Fisch“ in größeren Ausstellungsräumen vollständig sehen zu können. Mit lichterfüllten Bildern in dunkler Zeit schließt sich im „Atelierfenster“ der Kreis der Ausstellungen des Jahres 2000, der mit dem „Engel“ des diesjährigen oberbayerischen Kulturpreisträgers W. Angerer d.J. begonnen hatte. 

 

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