Ausstellung 29.11.2012 bis 13.01. 2013

 Rosmarie Schauer - "AUS DUNKEL WUCHERN"


"MOORLAND"

Mit Rosmarie Schauer stellt das Atelierfenster eine Malerin vor, die etwa seit einem Jahr im Chiemgau Wurzeln geschlagen hat. Aufgewachsen bei Bad Tölz suchte sie sich nach Studien und Lehrtätigkeiten in München, Madrid und Koblenz ganz bewusst ihren Lebensmittelpunkt zwischen Mooren, Bergen und dem Chiemsee. Seit ihrer Kindheit hat Rosmarie Schauer eine große Liebe und Leidenschaft für Blumen und Pflanzen aller Art entwickelt, wohl auch entfacht durch ihren Vater, dem bekannten Biologen und Pflanzenkundler Dr. Thomas Schauer. Die Malerin möchte die Pflanzenwelt allerdings nicht wissenschaftlich erkunden, sondern sie lässt sich von der vielfältigen Wucht der Farben und Formen, und dem Wesen der Natur anregen.

       

"OAK I"                                                                     "OAK II"

Vor allem im Moor begegnet ihr der Kreislauf vom Keimen, Sprießen, Blühen, Wachsen und Wuchern bis hin zum Absterben und Stillstehen in Frost und dunklem Boden als ständig sprudelnde Quelle für die Malerei. Rosmarie Schauers kraftvoll leuchtende Bilder wirken zwar spontan und schnell auf die Leinwand gebannt, doch sie entstehen über längere Zeiträume intensiver Arbeit im Atelier beim Schauen und dem Durchdringen der Oberfläche hin zu tiefen Bildräumen. Lässt man sich darauf ein diese Bilder mit den Augen zu durchwandern, erlebt man dabei all die Kraft des Wachstums, die sich aus der winterlichen Ruhe und Zurückgezogenheit alljährlich neu entwickelt. Die farbige Wucht Schauers Bilder mit Titeln wie „MOORLAND“ oder „WUCHERN“ scheint das kleine Atelierfenster zu sprengen. Das Leuchten der Ausstellung kann dem Betrachter Hoffnung vermitteln, dass auch dem Menschen die winterliche Ruhe im Jahreszyklus gut tut, obwohl er sie durch künstliches Licht und Daueraktivität immer mehr zu negieren sucht.

      

"WUCHERN I"                                                 "WUCHERN II"

         

          

                   

Detailaufnahmen verschiedener Bilder

Die Leidenschaft und Lebensfreude mit der Rosmarie Schauer ihre Malerei betreibt hat bereits ein umfangreiches malerisches Werk entstehen lassen, das deutschlandweit durch zahlreiche Ausstellungen und Förderungen Beachtung fand und auch die Chiemgauer Künstlerlandschaft bereichern wird.  Somit mag dieses erste Kennenlernen im Atelierfenster Interesse wecken mehr „URWACHS“, „SUMPFIG“, „RÖSTBLATT“, „EUPHORBIA“, ... aus Schauers Atelier zu sehen. 


Blick ins Atelierfenster

Weitere Informationen sind unter www.rosmarie-schauer.de zu finden


Ausstellung 22.09. bis 11.11. 2012

 Gustav A. Starzmann     -      „FUNDSTÜCK“


Blick ins Atelierfenster

Ein Fundstück besitzt die Kraft, das Glück des Sommers, eines Augenblicks, einer Erkenntnis, einer Liebe und vielem mehr erinnernd zu bewahren.


"CHIEMSEEGEDANKEN"

Das Atelierfenster stellt mit Gustav Starzmann einen Maler und Bildhauer vor, der sich in seiner wachen und dem Leben zugewandten Art bei all seinen beruflichen Tätigkeiten immer wieder auf den Weg gemacht hat zu finden.

Als Vermessungsingenieur waren es Punkte, Linien und Flächen, die er zu finden gelernt hatte. In der Politik, als langjähriges Mitglied des Bayerischen Landtags, fand er gesellschaftliche Herausforderungen, Probleme, Lösungsvorschläge, neue Ideen und Möglichkeiten ihrer Umsetzung. Als Maler und Bildhauer nun findet er seit vielen Jahren Formen, Farben und Zusammenhänge von Natur und Gesellschaft.

Aus seinem vielfältigen Lebensschatz an Fundstücken zum Beispiel aus der Natur, Literatur, Malerei oder der Beobachtung gesellschaftlicher Veränderungen ordnet er neu, übermalt, verändert, deutet an. Dabei entstehen Bilder gefundenen Lebens, die über das Private hinaus öffentliches und allgemein gültiges Fundstück werden können.


"CHAOS UND ORDNUNG"

  

 

"CHAOS UND ORDNUNG" - Details

                                      

Aus der Serie "DEUTSCHE MÄRCHEN"                                                                                                      "ROT- BLAU- GELB"

Gezeigt werden Arbeiten aus Starzmanns großem Themenkomplex „Chaos und Ordnung“, dazu vier seiner kritisch fragend ins Bild gesetzten „deutsche Märchen“, ein Bild aus der Serie „Rot-Blau-Gelb“ in gefundener „Verwandtschaft“ mit dem Maler Elsworth Kelly, und verschiedene „Chiemseegedanken“ als Collagen oder Objektkästen gestaltet. Somit bietet die Ausstellung trotz ihres begrenzten Umfangs einen umfassenden Einblick in die Arbeits- und Themenbereiche Gustav Starzmanns, dessen Kunst sich nicht lauthals aufdrängt, sondern still immer neu gelesen werden möchte. Jedes einzelne zum Bildwerk verdichtete Fundstück kann Momenten von Glück, Erkenntnis oder Vergänglichkeit und Neuordnung dauerhafte Präsenz und Wertschätzung verleihen.


"FUNDSTÜCK"

 


Ausstellung 28.03.  -  13.05.2012

Rolf Märkl   -   „PFERD“


"AUFBÄUMENDES PFERD"

Der Bildhauer, Maler, Kunstvermittler und Sänger Rolf Märkl war über viele Jahre ein „Zugpferd“ für die kulturelle Entwicklung Rosenheims. Für sein Lebenswerk wird ihm in diesem Jahr der oberbayerische Kulturpreis verliehen, und das „Atelierfenster“ zeigt anlässlich dieser Ehrung unter dem Titel „PFERD“ einen ganz kleinen Ausschnitt seines umfangreichen künstlerischen Werkes.

Reduziert auf Liebhaberei in Freizeit und Reitsport hat das Pferd seine einst große Bedeutsamkeit und Präsenz in unserer Kulturlandschaft seit der Industrialisierung verloren. Auch die Darstellung von Pferden in der Bildenden Kunst hat über die Jahrtausende einen Wandel vollzogen, in dessen Reihe die Bronzepferde von Rolf Märkl ihren Platz finden.

                     

 "PFERD IV"                                                                                                                                                                       "PEGASUS"

Mythologisch verehrt findet sich das wohl älteste Bronzepferd aus dem 14. Jahrhundert v. Chr.  als „Triumphwagen mit Sonnenscheibe“ aus Trundholm in Schweden. Später zeigt sich die Bedeutung des domestizierten Pferdes für den Menschen vor allem in Darstellungen von Jagd– und Kriegsszenen z.B. bei den Assyrern. Auch in Griechenland fand die von reitenden Jünglingen beherrschte natürliche Kraft der Pferde ihren Ausdruck im Parthenonfries, geschaffen von Bildhauern, die bestens vertraut waren mit Anatomie und Bewegungsabläufen von Pferden. Mit dem bronzenen Reiterstandbild des Marcus Aurelius um 170 n. Chr. wurde diese Art der Darstellung von Machtdemonstration Herrschender zur Tradition und bildhauerischen Herausforderung bis ins vergangene Jahrhundert. Der Münchner Bildhauer Hans Wimmer, der nach dem Krieg ein Jahr in Bergen/ Obb. lebte, schuf 1964 – 67 mit dem Reiterstandbild von Ludwig dem Bayern in München wohl eines der letzten Denkmale dieser Art. Von Wimmer sehr verehrt, war es vor allem Marino Marini, der sich intensiv dem Thema Pferd und Reiter gewidmet hat, und der in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg den Reiter in seinen Plastiken förmlich vom Pferd stürzte. Nach diesem Verlust und dem Aufgeben von der Macht der Beherrschbarkeit stellte Heinrich Kirchner, der Lehrer Rolf Märkls, den Menschen wieder gleichberechtigt neben das Pferd in seiner Großplastik „Der 7. Schöpfungstag“ von 1963 in Rosenheim. Rolf Märkl, erst spät in seinem Schaffen das Pferd zum Thema gewählt, führt es nun durch die Art der Darstellung in die Eigenständigkeit und Freiheit seines Wesens zurück. Gehörnt, spielerisch, störrisch, sich aufbäumend, geflügelt, oder zurückgewandt sind Märkls Pferde individuelle „Persönlichkeiten“ voller Charme und „Pferdlichkeit“. Man wünschte sich eine dieser Kleinplastiken auch als Großplastik im öffentlichen Raum für jeden zugänglich wiederzufinden. 

      

Blick ins beleuchtete Atelierfenster  

                                                              

"WÄCHTER                                                                                                                                          "IRMINGARD"

Nachdem für diese Ausstellung nicht alle Pferdeplastiken Märkls verfügbar waren, gesellen sich  neben dem Bild "TIER UND MOND" noch zwei typische Figuren des Bildhauers im „Atelierfenster“ dazu: „IRMINGARD“ und „WÄCHTER“ – mögen sie weiterhin die Freiheit der Kunst allerorts beschützen und bewachen.  


 Weitere Informationen zu Rolf Märkl finden sich unter www.maerkl-rolf.de


Ausstellung 01.02.  -  18.03.2012

Konrad Kurz - „GESELLSCHAFTSBILD IM SPIEGEL DER PLASTIK“

Konrad Kurz aus Petting, geboren 1934 in Passau, hat das Bildhauer-Handwerk als Stuckateur und Bronzegießer von Grund auf gelernt. Daraus begründet sich sein gekonnt sensibler Umgang im Modellieren und Formen der Modelle bis zur Endbehandlung von Ziselieren, Polieren und dem Patinieren der Bronzeplastiken.


"Kleine Venus" - Bronze

Der Mensch in klassischen Darstellungsformen wie Akt, Portrait, Gewandfigur und Figurengruppen war von Anfang an Thema des Bildhauers Kurz. Neben Auftragsarbeiten, wie zum Beispiel der „Kindergruppe“ vor der Haslacher Grundschule, haben ihn für seine freien Arbeiten immer wieder gesellschaftliche Geschehnisse und Entwicklungen angeregt und umgetrieben, bis daraus stille Denkmale als Zeitdokumente entstanden sind.

                                        

"Kleiner Krieger" - Bronze"                                                                                                                Auferstehungsrelief" - Bronze

So spiegeln sich in Kurz´ „TORSI“,  dem knochenbesetzten „AUFERSTEHUNGSRELIEF“ oder dem „KLEINEN KRIEGER“ Atomkatastrophe, Krieg und Zerstörung wieder. Die Arbeiten „ETWAS BLUME“ und „BAUM IM STUNDENGLAS“ lassen sein Unwohlsein über die fortschreitende Umweltzerstörung durch den Menschen spüren, der selbst zur Masse der Konsumenten reduziert, als „SCHÖNHEITSGALERIE“ im Schaufenster steht. Vielleicht aus eigenen Erfahrungen auf See entstanden in einer neuen, fast kindlichen Leichtigkeit, direkt aus Wachs modelliert, einige einprägsame und zugleich begehrte Schiffsplastiken als Bronzeunikate. Seit alters her steht das Schiff oder Boot als Synonym für gelingendes Gesellschaftsleben, um die Fahrt zum „anderen Ufer“ gemeinsam mit dem Kapitän und der Mannschaft zu meistern. Der Anblick dieser eindrücklichen Schiffe von Konrad Kurz lässt Zweifel aufkommen, ob eine sichere Fahrt durch die „Meere der Zeit“ noch gewährleistet ist – ein Spiegelbild unserer Gesellschaft? Zwischen derlei Fragen und Empfindungen des Welterlebens stehen „EINSAME  KÖNIGIN“ und „WÄCHTER“ vielleicht als Bilder von Sehnsucht und Hoffnung dafür, dass Menschenwürde, Einzigartigkeit und Liebe, wie sie das Portrait „BARBARA“ im Hintergrund des Atelierfensters ausstrahlt, in den Gesellschaften dieser Erde stärker verankert bleiben, als Macht, Zerstörung und Egoismus. Die Auswahl dieser 15 Plastiken aus dem umfangreichen Werk von Konrad Kurz erzeugt im Atelierfenster ein Spannungsfeld zwischen Gesellschaftskritik und klassischer Bildhauerei, das nachdenklich machen kann, und zu längerem Verweilen einlädt.

                                   

"Baum im Stundenglas" - Bronze                                                                     "Schönheiten - Galerie"  -  Bronze


                             

"Einsame Königin" - Bronze                                                                                                                           Blick ins Atelierfenster